Josepha Gasch-Muche

 

In diesem Jahr feiert Josepha Gasch-Muche ihren 70. Geburtstag. Im Sommer hat sie eine große Einzelausstellung im Römer- und Pelizaeus Museum Hildesheim unter dem Titel „Lichtphänomene aus Glas“. Die 1944 geborene Künstlerin hat Anfang der 1980er Jahre in Saarbrücken und Trier ihr Kunststudium absolviert. Zunächst hat sie gezeichnet und radiert. Abfallmaterialien aus Handwerk und Industrie übten eine starke Faszination auf sie aus. So gestaltete sie mit Drahtresten, Eisenspänen und Graphitstaub Strukturbilder auf Holz, Leinwand und Plexiglas. Der Kontakt mit den hauchdünnen Displaygläsern, die für Handys benutzt werden, war gegen Ende der 90er Jahre eher Zufall. Heute bestimmt diese Technik in hoher Perfektion das Werk von Josepha Gasch-Muche. 2006 erhielt sie den Coburger Glaspreis, zwei Jahre später den Bayerischen Staatspreis.

„Josepha Gasch-Muche malt mit Glas“ schreibt ein Kunstkritiker über die Bildobjekte der erfolgreichen deutschen Künstlerin. „Alles ist Licht“ lautet der Titel der Ausstellung von Josepha Gasch-Muche in der Galerie B in Sinzheim/Baden-Baden. Heideggers philosphische Frage zu Licht und Helligkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Objekte aus Glas von Josepha Gasch-Muche. Die Künstlerin verarbeitet tausende von kleinen Display-Gläsern (150 Mikrometer dünn) in faszinierende Kunstwerke. Unterschiedlicher Lichteinfall verändert die Objekte immer wieder aufs Neue.
Gasch-Muches meist großformatigen Bildobjekte entstehen, indem sie die hauchdünnen gesplitterten Glasflächen in unendlicher Formenvielfalt auf Leinwände oder feste Untergründe schichtet und weitgehend unsichtbar fixiert. Dabei bestimmen Richtung und Dichte der Schichtungen die Struktur und Bildordnung des Objektes. Der Autor Horst Schulte beschreibt die Wirkung: „ Auf den ersten Blick scheint eine solche Fläche durch die Gleichheit und die Gleichwertigkeit der Einzeltzeile homogen und statisch. Trifft dann aber Licht auf diese Glasschichtungen, erwacht die homogene Fläche eindrucksvoll zum Leben. Die Ruhe des Lichts wird erschüttert. Es ergeben sich Reflexe von äußerster Intensität und Dynamik. Das Glas fängt das Licht ein. In seiner optischen Qualität wirkt es intensiviert und überhöht.“

Josepha Gasch-Muche ( Jahrgang 1944) hat Anfang der 80er Jahre bei Boris Kleint und Günter Swiderski in Saarbrücken und Trier ihr Kunststudium absolviert. Dabei sah sie sich zunächst im Wesentlichen auf das Zeichnen und Radieren festgelegt. Nebenbei übten aber auch Abfallmaterialien aus Handwerk und Industrie eine starke Faszination auf sie aus. So gestaltete sie mit Drahtresten, Eisenspänen und Graphitstaub Strukturbilder auf Holz, Leinwand und Plexiglas. Der Kontakt mit den hauchdünnen Displaygläsern war dann gegen Ende der 90er Jahre eher Zufall. Heute bestimmt diese Technik in hoher Perfektion das Werk von Josepha Gasch-Muche.

 

Horst Schulte:

„ Obwohl Glas ein schweres Material ist, strahlen ihre Objekte Leichtigkeit bis zur Immaterialität aus. Sie erinnern an kosmische Lichtwolken oder Sternenhaufen im unendlichen All.

Ihre Objekte entstehen, indem sie transparente Glassplitter in unendlicher Formenvielfalt auf Leinwände oder feste Untergründe schichtet und weitgehend unsichtbar fixiert. Dabei bestimmen Richtung und Dichte der Schichtungen die Struktur und Bildordnung des Objektes. Auf den ersten Blick scheint eine solche Fläche durch die Gleichheit und Gleichwertigkeit der Einzelteile homogen und statisch.

Trifft dann Licht auf diese Glasschichtungen, erwacht die homogene Fläche eindrucksvoll zum Leben. Die Ruhe des Lichts wird erschüttert. Es ergeben sich Reflexe von äußerster Intensität und Dynamik. Das Glas fängt das Licht ein und zwingt es, sich in allen Spuren selbst darzustellen. In seiner optischen Qualität wirkt es intensiviert und überhöht.

Wer glaubt, die Vertreter der Zero Bewegung hätten in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Möglichkeiten erschöpft, Kunstwerke mit Materialien und Licht zu gestalten, hat noch keine Arbeit von Josepha Gasch-Muche erlebt. Das hauchdünne, geschichtete Glas reflektiert jedes einfallende Licht wesentlich stärker als die von Zero bevorzugt verwendeten Metalle mit Silbereffekten oder Natursteine mit auf Hochglanz polierten Oberflächen. Heute sehen wir Josepha Gasch-Muche in der Tradition der Zero Künstler, die nach dem 2. Weltkrieg u.a. die bis dato gebräuchlichen Bildkompositionen zugunsten neuer Materialien (vor allem Aluminium, Nägel, Feuer und Rauch) aufgaben und das gemalte Tafelbild über das Relief hinaus zum Raumobjekt aufweiteten. Glas spielte dabei eher eine untergeordnete Rolle. Wichtigstes neues Medium wurde das Licht, welches in seiner Qualität als Lebensspender bestens geeignet erschien, philosophische Inhalte der Zerokunst zu transportieren. Die singuläre Bedeutung des Lichts für alles Leben auf der Welt korrespondierte dabei mit der von den Künstlern geforderten Bedeutung ihrer Kunst.
Josepha Gasch-Muche hat Anfang der achtziger Jahre bei Boris Kleint und Günter Swiderski in Saarbrücken und Trier ihr Kunststudium absolviert. Dabei sah sie sich im Wesentlichen auf Zeichnen und Radieren festgelegt. Nebenbei übten aber auch Abfallmaterialien von Handwerk und Industrie eine starke Anziehungskraft auf sie aus. So gestaltete sie mit Drahtresten, Eisenspänen und Graphitstaub Strukturbilder auf Holz, Leinwand und Plexiglas. Das war ihre beginnende Verabschiedung von der Komposition als bildnerischer Ordnung.
Als sie durch Zufall gegen Ende der 90er Jahre Displayglas (150 Mikrometer) der Schott-Spezialglas, Grünenplan, in die Hände bekam, geriet der spielerisch durchgeführte Versuch auf einer kleinen Leinwand zu einem nachhaltigen Schlüsselerlebnis. Es gelang ihr, die Wirkung von pastös-weißer, strukturierter Farbe durch das zusätzliche Aufbringen eines Glasbruchstückes zu beeinflussen. Innerhalb eines Jahres bereits erreichte sie die hohe Perfektion und die künstlerische Qualität ihres heutigen Oeuvres.

Das physikalische Phänomen der Lichtbrechung im Glas wird durch die vielen übereinander liegenden Schichten potenziert. Es wird zusätzlich verstärkt, wenn der Betrachter den Blickwinkel verändert. Jede kleinste Bewegung zieht somit neue Lichtreflexionen nach sich. Vor dem Auge läuft ein gleißendes Lichtfeuerwerk ab, welches trotz unmittelbarer Konfrontation immer angenehm wirkt, weil es prinzipiell ohne Farben geschieht.

Ebenso wie die Klarheit der Bildstruktur und die Reinheit des Lichts tragen formale Strenge und Einfachheit der Grundformen Kreis, Quadrat, Rechteck und Dreieck mit ihren vollendeten Proportionen zur hohen Ästhetik der Objekte bei. Man möchte die Objekte, so sehr dieser Begriff in der heutigen Kunst auch verpönt sein mag, in ihrer leuchtenden Harmonie als schön bezeichnen.

Eine weitere Wirkung, von Zero bewusst angestrebt und nicht immer erreicht, ist den Objekten von Josepha Gasch-Muche spielend zu eigen. Obwohl Glas bekanntlich ein schweres Material ist, strahlen ihre Objekte Leichtigkeit bis hin zur Immaterialität aus. Sie erinnern an kosmische Lichtwolken oder Sternenhaufen im unendlichen All. Und sie machen eine spirituelle Dimensionen erfahrbar. Über äußere Reize und sinnliches Einlassen auf das Objekt wird für den Betrachter eine andere, bisher unbekannte Wirklichkeit erfahrbar.“

 

Titel: 23/12/08, 60 x 60 x 50 cm, optisches Glas

gam2 Wandskulptur, 110cm x 60cm x 25cm gam3 Detail PICT0012-1 Detail gam5 Skulptur, Höhe 230cm gam6jpg Josepha Gasch-Muche (links) zusammen mit Galeristin Barbara Koppelstätter. Im Hintergrund zwei Bildobjekt, je 120 x 120cm gam1 Bildobjekt, 180 x 180cm Atelier.jpg-1 circles 2410 Titel: 2/4/10, 5-teilig, 60 x 30 x 8 cm 30610 Titel: 30/6/10, 35 bis 75 cm 4107 Titel: 4/1/07, 50 x 40 cm, optisches Glas 12610 Titel: 12/6/10, 140 x 82 x 11cm 20510 Titel: 20/5/10, optisches Glas mit Tuschestruktur, 80 x 60 x 10 cm 231208 Titel: 23/12/08, 60 x 60 x 50 cm, optisches Glas 1509 Titel: 1/5/09, 1m x 1m, optisches Glas FIBONACCI Fibonacci-Reihe, 7-teilig, Höhe 1m, Breite variabel FIBONACCI Titel: 30/6/10, 35 bis 75 cm P1030312 Titel: 20/5/10, optisches Glas mit Tuschestruktur, 80 x 60 x 10 cm P1030314 Titel: 20/5/10, optisches Glas mit Tuschestruktur, 80 x 60 x 10 cm 120x120cm.jpg-1 Bildobjekte 120 x 120cm Portrait_Gasch-Muche Portrait Josepha Gasch-Muche, 2010