Hubert Crevoisier


6. Juni - 31. August 2002


Cocoons drücken für Hubert Crevoisier (Jahrgang 1963) unendlich viel aus: Anfang und Ende, Leben und Tod, Außen und Innen. Der Künstler aus Chaux-de-Fonds in der französischen Schweiz ist fasziniert, ja geradezu gefangen von dieser klaren Form der Cocoons, die meist von feinen Fäden umsponnen an die Vorläufer von Schmetterlingen erinnern.
Cocoons sind zum Markenzeichen des Künstlers geworden, den seine Freunde, den “Mann auf Glassohlen” nennen.
Eigentlich war Hubert Crevoisier Krankenpfleger in der kantonalen Klinik in Genf, doch dann war diese Begegnung mit der Kunst. Crevoisier: “Es hat in mir so stark Klick gemacht, dass ich ein ganzes Leben brauchen werde, um zu verstehen, was da passiert ist. Im Alter von 28 verlässt er alles, seine Freunde, seine Wohnung, seine Stelle im Krankenhaus. Er fährt nach Schweden, um an der Glasschule in Orrefors den Umgang mit Glas zu lernen. Nach mehreren Jahren in Dänemark und Frankreich, kehrt Hubert Crevoisier in die Schweiz zurück.

Heute spricht er vom “Turbomotor seiner Träume”, der ihn getrieben habe. 1997 gründet er ein eigenes Atelier, 1998 wird er bereits beim Bundeswettbewerb der angewandten Künste in Frankreich ausgezeichnet und hat seine erste große Einzelausstellung im französischen Sars-Poteries. Der Erfolg ist riesig.
Es folgen Ausstellungen in Paris, Amsterdam und im Kornhaus Bern. Im Jahr 2000 wird ein Cocoon von Crevoisier in der “New Glass Review” in New York als eines der besten Kunstwerke des Jahres ausgewählt. Crevoisier arbeitet für einige Monate in New York.

Fast ausschließlich Objekte zum Thema Cocoon sind zu sehen. Ausgestellt sind auch großformatige Fotografien eines Cocoons in den Händen von zwölf verschiedenen Menschen aus dem direkten Umfeld des Künstlers. Seine Mutter ist dabei, ein Onkel, der Bauer ist, Freunde. “Erst in der Hand lebt das Objekt”, sagt Crevoisier. Er sieht Cocoons als Utopie vieler Träume und Ideen, auch in der Architektur. Lange fühlte er sich unsicher, mit seinen Arbeiten in die Öffentlichkeit zu gehen. Heute ist er international präsent und gilt als Geheimtipp unter den Sammlern, die sich mit dem Thema Glas auseinandersetzen.

 

Markenzeichen von Hubert Crevoisier sind die Cocons

Faszinierende Kugeln, farbig oder farblos, die das Licht einfangen. Längliche Hohlräume, eingefangen in Glas, die dauerhaft ein heranwachsendes Leben, eine im Werden begriffene Identität, beherbergen.

Der Kokon lockt und fängt den Blick ein. Was drücken all diese blauen, roten und gelben Hüllen aus, wenn nicht die Liebe zum versteckten Schmetterling? "Ich weiß nichts darüber. Und dann stelle ich mir vorher nie vor, was ich anfertigen werde. Ich breche ins Ungewisse auf, auf einem Weg, den ich nicht kenne. Aber meine Hände arbeiten."(Zitat H. Crevoisier)

Denn seine Werke, wie der memories container ( eine Art schweren und dunklen Hohlraums, der den Blick nicht eindringen lässt) sind eine feinsinnige Methode das Spiel des Materials zu erforschen. In den polierten Glaswindungen, in seinen rundherum undurchdringlichen oder lichtdurchflossenen Kurven, gibt es eine Bedürfnis, das Sein zu bestätigen, die " inneren Strukturen" zu erfassen, die Erscheinungen und das geraubte Dasein zu ergreifen. Eine Lust über das zu reden, was sich nicht zeigt, aber was im Intimen zu erreichen ist, im versteckten Feuer, in den Schwankungen des Lebens. Eine richtige, kleine, poetische Autopsie über das, was die Skulpturen vermitteln ein künstlerisches aber begleitend auch ein medizinisches Anliegen: "eine Person in ihrer Gesamtheit verstehen", den Körper und das Innenleben des Körpers dem selben Blick unterwerfen, wie er es selbst sagt, während er eine seiner letzten Kreationen, die contenants-contenus in die Hand nimmt (Formenspiel, das perfekt ineinanderpaßt).

Hubert Crevosier in Kürze

  • 14. April 1963: Geburt von Hubert Crevoisier
  • 1991-1993: Glasschule in Orrefors, Schweden
  • 1997: Gründung eines Ateliers in La Chaux-de-Fonds
  • 1998: Preis beim Bundeswettbewerb der angewandten Künste und erste eigene Ausstellung in Sars-Poteries, Frankreich.
  • 1999: Gemeinschaftsausstellung in Paris, Amsterdam und im Kornhaus Bern
  • 2000: Auswahl eines seiner Kunstwerke in der "New Glass Review" New York, als eines der besten Kunstwerke des Jahres. Stellt auf der Kunstmesse in Straßburg aus.

cocon

3cocons Hubert Crevoisier - 3 Cocons frei geblasen, Fadendekor, gelb, Länge: 27 cm cocon Hubert Crevoisier - Cocon frei geblasen, geschliffen, 25 cm cocon1 Hubert Crevoisier - Cocon klarglas, freigeblasen, kraklé, Fadendekor, Länge: 25 cm compose Hubert Crevoisier - Cocon(2002) diascan1 Hubert Crevoisier - Cocon(2002) diascan2 Hubert Crevoisier - Cocon(2002) diascan3 Hubert Crevoisier - Cocon(2002) skluptur1 Hubert Crevoiesier - Skulptur pate de verre, Klarglas, Länge:61 cm skulptur2 Hubert Crevoisier - Skulptur pate de verre, Klarglas, Länge: 33cm